Himmelreichweite

Himmelreichweite

Himmelreichweitenvergrößerung

Der Soziologe Hartmut Rosa beschreibt das Streben des modernen Menschen als Weltreichweitenvergrößerung. Der Mensch möchte sich die Welt anverwandeln, indem er sie sichtbar, erreichbar, beherrschbar und schließlich für sich nutzbar macht. Fast jeder von uns trägt inzwischen das Wissen der ganzen Welt in seinem Smartphone in der Tasche herum. Und obwohl immer mehr Welt in Reichweite kommt, kann der Mensch die Beziehung zur verfügbaren Welt immer weniger spüren. Sie verstummt. Unser Gefühl der Welt gegenüber ist Entfremdung.

Wir spüren es daran, dass uns die großen Ziele abhandengekommen sind. In rasendem Stillstand rennt die Gesellschaft immer schneller und kommt nicht voran. Allenfalls noch davon. Es droht ein multiples Systemversagen, wenn wir nicht das Wachstum immer weiter steigern. Beschleunigung ohne konkretes Ziel macht aber keinen Sinn. Beschleunigung bei knapper werdenden Ressourcen führt in ein Weltverhältnis der Aggression. Der Mitmensch wird zum Hindernis, das verschwinden soll.

Wenn Beschleunigung das Problem ist, kann Resonanz die Lösung sein, sagt Hartmut Rosa. Sie ist das positive Gegenbild zur verstummten Welt.

Wir müssen aufhören – anhalten und zuhören. Wir müssen uns berühren lassen von etwas außerhalb unserer selbst. Wir müssen uns in dieser Berührung verändern lassen und antworten. Dass dies geschieht, kann niemand erzwingen und niemand verhindern. Es ist unverfügbar. Wenn es aber geschieht tritt ein, fühlt es sich lebendig und verbunden an.

Lebendig und verbunden fühle ich mich immer, wenn ich unter dem freien Himmel stehe. Das Firmament löst in mir etwas aus, was dem unsichtbaren Himmel Raum verschafft. Obwohl ich weder den einen noch den anderen verfügbar machen kann. Der Himmel ist pure Unverfügbarkeit. Und trotzdem stehe ich in einer Resonanzbeziehung mit ihm. Meine Seele hat einen Anker im Himmel. Das ist sein Geschenk an mich. Ich treibe nicht ziellos durch die Welt. Ich weiß wohin und wofür. Meine Motivation ist die umgekehrte Himmelreichweitenvergrößerung. Jeder soll die Reichweite des Himmels spüren, von ihm berührt und verändert werden. Der Himmel soll in die Herzen der Menschen reichen. Und er tut es.

Der Priester und Lyriker Wilhelm Willms dichtet:

weißt du wo

weißt du wo
der himmel ist
außen oder innen
eine handbreit
rechts und links
du bist mitten drinnen

weißt du wo
der himmel ist
nicht so tief verborgen
einen sprung
aus dir heraus
aus dem haus der sorgen

weißt du wo
der himmel ist
nicht so hoch da oben
sag doch ja
zu dir und mir
du bist aufgehoben

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